• Presseschau vom 10.08.2022

    Herzlich willkommen zur neuesten Ausgabe der Presseschau. In den Beiträgen dreht es sich vornehmlich um die gesellschaftlichen und politischen Debatten zur Laufzeitverlängerung. Wir wünschen Ihnen gewinnbringende Lektüre und alles Gute.

    Hinweis auf Bezahlinhalte: Die Nutzung einzelner Beiträge könnte kostenpflichtig sein.

    Mit der Sorge vor einer akuten Energiekrise im Winter ist die Frage nach längeren Laufzeiten wieder auf die Tagesordnung gekommen. Eine längere Laufzeit könne „Sinn machen“, wie Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) vor wenigen Tagen sagte. Auch die öffentliche Stimmung hat sich gedreht: Laut dem jüngsten ARD-DeutschlandTrend sind mehr als 80 Prozent der Deutschen für eine längere Nutzung der Kernkraftwerke. Die einen befürworten nur eine Nutzung im kommenden Jahr, die anderen plädieren sogar für eine längerfristige Nutzung. Drei Szenarien für eine längere Laufzeit sind denkbar:

    TAGESSCHAU

    Drei Atomkraftwerke laufen in Deutschland noch, politisch läuft eine Debatte, diese angesichts der drohenden Energiekrise vorübergehend am Netz zu lassen. Zumindest für das niedersächsische AKW Emsland sei dies nicht vorgesehen, erklärt die SPD-geführte Landesregierung:

    N-TV

    Die Gaskrise beschert uns eine brisante Debatte: Sollen unsere Atomkraftwerke länger laufen, um den drohenden Energiemangel abzumildern? Streit droht nicht nur in der Politik, auch in der Wissenschaft gibt es Pro und Contra:

    DEUTSCHLANDFUNK KULTUR

    Der Endlager- und Atomausstiegs-Beauftragte des Bundes Wolfram König warnt vor dem Wiedereinstieg in die Atomkraft. BDI-Präsident Russwurm dagegen fordert die Politik auf, Vorbereitungen für einen befristeten Weiterbetrieb der Atomkraftwerke zu treffen:

    WELT

    Ende des Jahres sollen die drei verbliebenden deutschen Atomkraftwerke vom Netz gehen – eigentlich. Wegen des Ukraine-Kriegs und der daraus resultierenden Energiekrise diskutiert die Ampelregierung eine Laufzeitverlängerung für die Meiler. In einer Umfrage für das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ sprachen sich nun 41 Prozent der Befragten sogar für einen Neubau von Akw aus. 52 Prozent stimmten dagegen:

    TAGESSPIEGEL

    Soll das bayerische Atomkraftwerk Isar 2 weiterlaufen? Technisch sei das möglich, meint der TÜV Süd in einem Papier für das bayerische Umweltministerium. Von wegen, meint das Bundesumweltministerium – es sieht gravierende Mängel in der Argumentation der Experten:

    STERN

    In der Debatte um eine AKW-Laufzeitverlängerung über das Jahr 2022 hinaus ist bei Teilen der Grünen mittlerweile häufiger von einem Konsens beim Atomausstieg die Rede. Das ist nicht unbedingt gelogen, aber geschummelt ist es trotzdem. Denn die Mehrheit der Deutschen ist klar für eine Laufzeitverlängerung der drei noch verbliebenen deutschen Atomkraftwerke:

    CICERO (Bezahlinhalt)

    In der Debatte um längere Laufzeiten von Atommeilern in Deutschland wollen die CSU und die Industrie den Druck auf die Ampel-Regierung erhöhen. Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Stefan Wolf, sprach sich am Wochenende für einen Weiterbetrieb der drei in Deutschland noch laufenden Atomkraftwerke aus – er will auch über den Bau neuer Reaktoren reden:

    ZEIT

    Was passiert, wenn das Erdgas knapp wird? Es wird vor allem zum Heizen eingesetzt, trägt aber auch rund zehn Prozent zur Stromproduktion in Deutschland bei. Wenn man länger auf Atomenergie setzen würde, könnte man also mehr Gas zum Heizen nutzen. Aktuell sind noch drei Atomkraftwerke in Deutschland am Netz: Emsland in Niedersachsen, Isar 2 in Bayern und Neckarwestheim 2 in Baden-Württemberg. Sie liefern etwa 30 Terawattstunden Strom pro Jahr und machen einen Anteil von rund fünf Prozent an der deutschen Stromproduktion aus. Laut Gesetzeslage sollen sie aber Ende 2022 abgeschaltet werden. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) ordnete einen neuen Stresstest zur Stromversorgung an:

    FAZ

    Bayerns Umweltministerium hat Kritik des Bundesumweltministeriums an der TÜV-Bewertung zweier bayerischer Atomkraftwerke zurückgewiesen. „Der TÜV Süd ist einer der renommiertesten und mit Fragen der Kernkraft am besten vertrauten Experten“, sagte ein Sprecher am Samstag in München:

    SÜDDEUTSCHE

    2011 stillgelegt, liegt das 1983 in Betrieb gegangene Atomkraftwerk Krümmel beschaulich an der Elbe. Die Genehmigung für den Rückbau ist beantragt, sie steht indes noch aus. Drinnen laufen vorbereitende Arbeiten. Seitdem das AKW vom Netz ist, ist es ruhiger geworden. Die letzte große Demonstration von Atomkraftgegnern war am Ostermontag 2011, 15.000 Menschen forderten die endgültige Stilllegung:

    ABENDBLATT

     

  • Presseschau vom 20.07.2022

    Herzlich willkommen zur neuesten Ausgabe der Presseschau. In den Beiträgen dreht es sich um die politischen Debatten zur Laufzeitverlängerung und energiepolitische Szenarien für den Winter. Wir wünschen Ihnen gewinnbringende Lektüre und alles Gute.

    Hinweis auf Bezahlinhalte: Die Nutzung einzelner Beiträge könnte kostenpflichtig sein.

    Wie sicher ist Deutschlands Stromversorgung im Winter? Das Wirtschaftsministerium überprüft neue Szenarien und könnte die Atomkraftwerke länger laufen lassen. Die Bundesregierung könnte sich für einen Weiterbetrieb der drei noch verbliebenen Atomkraftwerke in Deutschland über das Jahresende hinaus entscheiden:

    HANDELSBLATT

    Wie angespannt die Lage am Gasmarkt ist, erkennt man dieser Tage an der Debatte um eine in Deutschland längst totgeglaubte Energieform. Die Diskussion um die Atomenergie, um die Jahrzehnte hart gerungen wurde, erscheint kurz vor ihrer letzten Nutzung wie ein Geist, der nicht so recht zurück in die Flasche will. Die Union und die FDP befeuern die Debatte um die Laufzeitverlängerung der letzten deutschen Atomkraftwerke. Das sagen Experten dazu:

    TAGESSPIEGEL

    Angesichts des drohenden Gasmangels kommenden Winter vergeht kein Tag ohne neue Sparvorschläge. Vom weniger Heizen bis zum Streit um Atom- und Kohlestrom liegt alles auf dem Tisch. Die Ampel-Parteien ziehen sich bei den Themen Tempolimit und AKW-Laufzeitverlängerung in ihre jeweiligen Schützengräben zurück. Es ist Zeit für einen Deal der Koalition. Denn für die Versorgungssicherheit ist beides wichtig:

    WELT

    Die Bundesregierung sagt, es bringt nichts, Meiler länger laufen zu lassen. Doch das stimmt nicht. In Wahrheit kann die Kernenergie gleich mehrere Probleme auf einmal lösen. Glaubt man der Bundesregierung, ist sie nicht grundsätzlich gegen die Atomkraft. Wenn Wirtschaftsminister Robert Habeck von den Grünen darüber spricht, klingt er aufgeschlossen, nüchtern, nicht wie ein Ideologe. Am Ende sieht Habeck wenig Vorteile. Wir würden ja, lautet die Botschaft. Aber es bringt halt nichts:

    FAZ (Bezahlinhalt)

    Die Bundesregierung lässt für einen Weiterbetrieb der drei noch verbliebenen Atomkraftwerke in Deutschland über das Jahresende hinaus noch einen Türspalt offen. Eine Regierungssprecherin sagte kürzlich, die Frage der Atomkraftwerke sei für die Bundesregierung von Anfang an keine ideologische, sondern eine rein fachliche Frage gewesen:

    SPIEGEL

    Stimmen die Grünen doch noch einer Laufzeitverlängerung der letzten deutschen Kernkraftwerke zu? Der Druck auf die Anti-Atom-Partei steigt jedenfalls. Und Ricarda Lang, Bundesvorsitzende der Grünen, machte am Sonntagabend im ARD-Fernsehen bei Anne Will den ersten Schritt:

    CICERO (Bezahlinhalt)

    Die Bundesregierung muss sich wegen des Krieges in der Ukraine auf alle denkbaren energiepolitischen Szenarien vorbereiten – auch die einer monatelangen Unterbrechung der Gasströme. Das ist jedem in der Ampel-Regierung klar. Es gilt, gesellschaftliche Zerwürfnisse im Herbst und Winter zu vermeiden, wenn Gasmengen zu knapp werden sollten, um noch alle Ansprüche von Industrie und Haushalten zu erfüllen. Seit Kriegsbeginn stellt sich deswegen nun auch wieder die Frage nach AKW-Laufzeitverlängerungen:

    TAGESSCHAU

    Was kann helfen, um die Energieversorgung in der Industrienation Deutschland zu sichern? Die FDP beharrt auf verlängerte AKW-Laufzeiten, die Union hält auch Strommangel für möglich. Die Debatte um eine längere Nutzung der letzten deutschen Atomkraftwerke entwickelt sich allmählich zu einem Stresstest für die Ampel-Koalition:

    STERN

    Der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger sieht ohne eine mehrmonatige Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken die Energieversorgung Bayerns im Winter gefährdet. Er warnt davor, dass Bayern die Energieversorgung bei einer Gasnotlage „im Winter um die Ohren fliegt“:

    AUGSTUBER ALLGEMEINE

    In Deutschland wächst der Druck auf die Ampelkoalition, die Laufzeit der drei verbliebenen Atomkraftwerke zu verlängern. Andere Länder machen es vor: In Japan sollen alte Reaktoren wieder ans Netz, in Frankreich sogar neue entstehen:

    FAZ

     

  • Presseschau vom 22.06.2022

    Herzlich willkommen zur neuesten Ausgabe der Presseschau. Unsere Auswahl ist in dieser Woche besonders reichhaltig: Sie finden gleich mehrere Beiträge zu aktuellen deutschen Rückbauprojekten, widmen uns aus politischer und technischer Perspektive der Frage nach Laufzeitverlängerung oder sogar Wiederinbetriebnahme deutscher KKW, geben ein Update zum Thema Taxonomie, blicken in die Schweiz, nach Polen und in die USA und zuletzt erneut nach Brunsbüttel, das als für die deutsche Energiepolitik exemplarischer Standort identifiziert wird. Wir wünschen Ihnen gewinnbringende Lektüre und alles Gute.

    Hinweis auf Bezahlinhalte: Die Nutzung einzelner Beiträge könnte kostenpflichtig sein.

    Im Kernkraftwerk Emsland in Lingen sei ein meldepflichtiger Schaden festgestellt worden, so die ZEIT. Bei einer turnusmäßigen Prüfung an einem kleineren Rohr des Abwasseraufbereitungssystems sei an einer Schweißnaht eine beginnende leichte Korrosionsablagerung festgestellt worden, teilte der Kraftwerksbetreiber RWE dem Blatt zufolge mit. Die Ablagerung sei entfernt und die Schweißnaht instand gesetzt worden, eine Gefährdung des Personals, der Umgebung oder der Anlage habe zu keiner Zeit bestanden:

    ZEIT

    Auch im Kernkraftwerk Brunsbüttel (KKB), das zurzeit abgebaut wird, kam es zu einem meldepflichtigen Ereignis: Dort wurde bei einer wiederkehrenden Prüfung der Objektsicherungstechnik eine fehlerhafte Meldeanzeige festgestellt. Bei Arbeiten zur Klärung dieser Störung kam es zum Ausfall eines Teils der Meldeanlage. Der Fehler wurde durch den Austausch mehrerer Baugruppen behoben, alle nachgeordneten Baugruppen wurden zusätzlich überprüft. Die Störung hatte keine Auswirkungen auf sicherheitstechnisch wichtige Einrichtungen. Der Vorgang wurde der atomrechtlichen Aufsichtsbehörde als meldepflichtiges Ereignis der Kategorie „N“ (Normalmeldung) angezeigt und mit der hier verlinkten Pressemeldung bekanntgemacht. Das Ereignis liegt unterhalb der sieben Stufen der internationalen Skala zur Bewertung von Vorkommnissen in Kraftwerken („INES 0“):

    PERSPEKTIVE BRUNSBÜTTEL

    Seit fünf Jahren wird das Kernkraftwerk in Biblis Stück für Stück zurückgebaut. Die Hessenschau meldet, dass aktuell ca. ein Drittel des Rückbaus bewältigt sei, die 2017 begonnenen Arbeiten sollen in 10 Jahren abgeschlossen sein. Insgesamt fielen beim Rückbau ca. 340.000 Tonnen Material an, von denen lediglich knapp 8.000 Tonnen dekontaminiert werden müssten, so der Sender in dem Beitrag, der auch durch ein Video ergänzt wird. Die markanten Kuppeln des KKW würden 2027 allerdings noch immer stehen. Was dann mit ihnen passiere, sei aktuell ungewiss:

    HESSENSCHAU

    Dem Rückbau des KKW Rheinsberg widmet sich ein Bericht der WELT. Das KKW, das erste wirtschaftlich genutzte Werk in der DDR, wurde ab 1960 nahe der Stadt Rheinsberg auf einer Landenge zwischen dem Nehmitzsee und dem Großen Stechlinsee errichtet, ging 1966 in Betrieb und wurde bereits 1990 stillgelegt. Seit 1995 befindet es sich im Rückbau. Die reich bebilderte Reportage widmet sich der umfangreichen und teuren Rückbauarbeit, die auch lange nach Beginn des Rückbaus noch nicht abgeschlossen ist:

    WELT

    Drei deutsche Kernkraftwerke laufen noch bis Ende 2022, und neben der FDP fordert auch die CDU die Verlängerung deren Laufzeiten. Es handelt sich dabei um Isar 2 in Bayern, betrieben von der Eon-Tochter PreussenElektra, Neckarwestheim 2 in Baden-Württemberg, betrieben von EnBW, und Emsland in Niedersachsen, betrieben von RWE. Zur Frage einer möglichen Laufzeitverlängerung, so der Tagesspiegel, müssten vor allem drei Fragen geklärt sein: Wie lange das Brennmaterial noch reiche und ab wann neue Brennstäbe verfügbar wären, zudem welches Personal mit der entsprechenden Sicherheitsprüfung nötig werde. Politisch sei das Thema hoch umstritten, wie der Beitrag ausführlich schildert: Zwischen FDP und CDU auf der einen und den Grünen auf der anderen Seite herrsche hier zunehmend auch im offenen Konflikt ausgetragene Uneinigkeit:

    TAGESSPIEGEL

    Während über die Laufzeitverlängerung auf politischer Ebene noch gestritten wird, meldet die SZ, dass die Frist zur Vorbereitung einer Laufzeitverlängerung des letzten bayerischen Kernkraftwerks inzwischen bereits abgelaufen sei. Der Leiter des Werks Isar 2 habe bereits seit längerem darauf hingewiesen, dass nur bei einer Entscheidung über die Verlängerung bis Ende Mai zu den Themen Personal, Brennstoffnachschub und Sicherheitsprüpfungen noch rechtzeitig gehandelt werden könne. Diese Frist sei nun ergebnislos verstrichen:

    SUEDDEUTSCHE

    Auch der SPIEGEL widmet sich erneut der Frage, ob eine weitere Nutzung der Kernkraft in Deutschland sinnvoll sei und sich der Weiterbetrieb der letzten noch aktiven Reaktoren und ggf. die Wiederinbetriebnahme der zuletzt abgeschalteten Werke vor dem Hintergund einer möglichen Eneregiekrise infolge des Ukraine-Kriegs lohne und überhaupt faktisch möglich sei. Dem Weiterbetrieb widerspricht der Umwelthistoriker Frank Uekötter: »Kernkraftwerke sind keine Kaffeemaschinen, die man an- und ausknipst.«, so der Wissenschaftler im Interview mit dem Blatt:

    SPIEGEL

    Der Umwelt- und der Wirtschaftsausschuss im EU-Parlament haben sich gegen Pläne der EU-Kommission ausgesprochen, Kernkraft und Gas zumindest übergangsweise als umweltfreundliche Energien einzustufen. Die gemeinsame Entscheidung fiel laut EU-Parlament mit 76 zu 62 Stimmen bei 4 Enthaltungen. Die Brüsseler Behörde hatte vorgeschlagen, die beiden Energiequellen in die sogenannte Taxonomie aufzunehmen. Die Taxonomie ist eine Art Katalog für Investoren, welche Vorhaben im Kampf gegen die Klimakrise helfen. Der Tagesspiegel fasst die Details zusammen:

    TAGESSPIEGEL

    Das Kernkraftwerk im schweizerischen Leibstadt steht erneut still: Dabei handele es sich um die geplante Jahresrevision des Werkes.
    950 externe Fachkräfte begannen ihre Arbeit Mitte des Monats Juni, nachdem die Anlage erst seit 6 Monaten nach einer vorherigen Revisionsphase wieder in Betrieb war. Die jetzige Revision dauere lediglich einen Monat, so der Südkurier:

    SUEDKURIER

    Ebenfalls in der Schweiz befindet sich das Kernkraftwerk Gösgen-Däniken, das ebenfalls am Ende einer fünfwöchigen Revision steht. Das Otner Tageblatt hat diesen Prozess in einer dreiteiligen Serie ausführlich begleitet und dokumentiert, der dritte Teil dieser Reportage beschäftigt sich jetzt mit der Wiederinbetriebnahme des Werks:

    OLTNERTAGEBLATT

    Expert:innen zufolge ist der Plan der polnischen Regierung, bis 2033 ein erstes Kernkraftwerk und bis 2043 sechs weitere Reaktoren in Betrieb zu nehmen, zu ehrgeizig. Polen, das in hohem Maße von fossilen Brennstoffen abhängig ist und über keine kommerziell genutzten Kernkraftwerke verfügt, kündigte im August 2020 an, es werde sechs Kernreaktoren in Betrieb nehmen. Als Standort für diese Reaktoren ist die an der Ostseeküste gelegene Gemeinde Choczewo in Nordpolen vorgesehen. Angesichts der Klimakrise und der Notwendigkeit, von russischem Brennstoff unabhängig zu werden, bemühe sich die Regierung nun darum, so schnell wie möglich ein erstes Kernkraftwerk zu errichten. Die Regierungsvertreter:innen versicherten, dass die erste Anlage wie geplant gebaut werden soll. Einige Expert:innen aus dem Energiebereich, darunter der stellvertretende Chefredakteur von Energetyka24.com, Jakub Wiech, stellen diesen Optimismus jedoch infrage, wie das europäische Mediennetzwerk Euractiv dokumentiert:

    EURAKTIV

    Kühltürme von Kernkraftwerken können als „Klimagas-Fänger“ wirken, so das Fachmagazin Ingenieur.de. Pro Jahr sollen durch zwei US-amerikanische Reaktoren so 250.000 Tonnen unschädlich eingefangen und in tiefen geologischen Formationen endgelagert werden können. Die beiden Reaktoren des Kernkraftwerks Byron im US-Bundesstaat Illinois seien also faktisch gut fürs Klima. In einem Großversuch würden sie aktuell so umgebaut, dass sie bei einer Leistung von 2.347 MW nicht nur eine Menge Strom erzeugen, sondern auch große Menge CO2 aus der Atmosphäre saugen könnten. Die Investitionskosten lägen bei 3.125 Mio. US-$, von denen das US-Energieministerium lediglich 2,5 Mio. US-$ tragen würde, so der Beitrag:

    INGENIEUR

    Von einer „Zeitenwende zwischen Schafen und Schornsteinen“ spricht die Süddeutsche Zeitung in einem ausführlich bebilderten Feature, das mit einem Luftbild des KKW Brunsbüttel aufmacht. An keinem Ort in Deutschland, so das Blatt, zeige sich die aktuelle Energiepolitik so exemplarisch. Während das örtliche KKW zurückgebaut werde, entstehe in unmittelbarer Nachbarschaft ein Terminal für LNG, also flüssiges Erdgas. Die Süddeutsche stellt sich die Frage, ob dies nicht einen Rückschritt darstelle:

    SUEDDEUTSCHE

     

  • Presseschau vom 08.06.2022

    In der aktuellen Ausgabe unserer Presseschau finden Sie diesmal lokale, nationale und internationale Nachrichten, erneut Beiträge zur allgemeinen Kernkraftdiskussion, eine Nachricht zum Energiestandort Brunsbüttel und eine historische Notiz zum KKW Krümmel. Wir wünschen anregende Lektüre.

    Für die jährliche Sicherheitsüberprüfung und Instandhaltungsarbeiten ist Block II des Kernkraftwerks Neckarwestheim (Landkreis Heilbronn) vom Netz genommen worden, wie die ZEIT unter Berufung auf eine dpa-Meldung berichtet. Es sei die letzte Revision vor der endgültigen Abschaltung des Kraftwerks Ende des Jahres, teilte demnach der Karlsruher Energiekonzern EnBW mit. Während der Revision werden laut EnBW – anders als in den Vorjahren – keine neuen Brennelemente mehr in den Reaktordruckbehälter eingesetzt. Vielmehr werde der Reaktor mit den vorhandenen Brennelementen so bestückt, dass eine Stromproduktion bis zum Ende der gesetzlich definierten Laufzeit möglich sei:

    ZEIT

    Mit Plädoyers zugunsten einer Renaissance der Kernkraft macht die BILD in gleich zwei Beiträgen auf: Ein Kommentar fordert vehement eine Entlastung der Bürger bei den Energiekosten, die nur über die Nutzung von Kernkraft gelingen könne. In einem readktionellen Beitrag (Bezahlinhalt) sprechen sich führende Politiker und Entscheidungsträger aus der Wirtschaft, darunter der bayerische Ministerpräsident Söder, der Chef des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall sowie Forscherinnen und Forscher zumindest für eine befristete Rückkehr zur Kernkraft aus:

    BILD

    BILD (Bezahlinhalt)

    Während Deutschland versucht, vom russischen Erdgas wegzukommen, werden auch an anderer Stelle jene Stimmen lauter, die das Ende der Atomenergie für falsch halten. Eine Gruppe von ihnen traf sich jetzt im Kernkraftwerk Brokdorf. Die shz protokolliert die dortigen, kontrovers geführten Gespräche:

    SHZ

    Zum 25. Mal jährt sich ein Fehlalarm im KKW Krümmel, an den das Hamburger Abendblatt erinnert: Ein nächtlicher ABC-Alarm hatte damals den Großraum Hamburg aufgeschreckt und niemand wusste für eine längere Zeitspanne, was genau passiert war. Auch wenn sich das Sirenengeheul letztendlich nur als Fehlalarm herausstellte, ging man in Börnsen danach nicht wieder zur Tagesordnung über. Der vermeintliche Strahlenunfall im nur gut zwölf Kilometer Luftlinie entfernten Kernkraftwerk Krümmel – an den damals viele dachten – führte zur Bildung eines Energiekreises von Bürgern in der Gemeinde, die die Gründung des Gas- und Wärmedienstes Börnsen (GWB) am 19. Dezember 1996 einleiteten. Das Abendblatt protokolliert:

    Abendblatt (Bezahlinhalt)

    Eine außergewöhnliche Übungseinheit im Kernkraftwerk Isar in Essenbach im Landkreis Landshut absolvierte die Kreisfeuerwehr Traunstein. Die dortige Werkfeuerwehr des Kernkraftwerk hatte die Katastrophenschutzeinheiten der Feuerwehren im Landkreis Traunstein auf eine Anfrage hin zur Besichtigung der Anlage sowie für eine Einsatzübung unter »realen Bedingungen« eingeladen. Das dortige Tageblatt berichtet:

    TRAUSTEINER TAGEBLATT

    Frankreich sei weniger vom russischem Gas abhängig als Deutschland, so die Tagesschau, insbesondere dank der 56 Atomreaktoren. Weil aber mehr als die Hälfte davon still stehe und Russland als Kunde wegbreche, stehe Frankreichs Atomindustrie unter Druck. Es gäbe ein doppeltes Problem: Der Meilerpark des Staatskonzerns EDF sei in die Jahre gekommen. Viele Reaktoren seien zudem wegen Regelwartungen abgeschaltet. Doch nun müssen ausgerechnet zwölf der jüngeren Baureihe zusätzlich vom Netz:

    TAGESSCHAU

    Die Ukraine will die Nutzung der Kernenergie weiter ausbauen und setze dabei auf eine Zusammenarbeit mit dem US-Konzern Westinghouse, berichtet die taz. So hätten in den vergangenen Wochen der ukrainische Atomkonzern Energoatom, Betreiber aller ukrainischen Kernkraftwerke, und die Westinghouse Electric Company auf dem Gelände des ukrainischen AKW Chmelnyzkyi die exklusive Belieferung der ukrainischen AKW mit Westinghouse-Brennstoff vereinbart. In zwei Jahren, so Energoatom demnach, sei man in der Ukraine außerdem so weit, dass man in einem eigenen Werk Brennstäbe mit dem Westinghouse-Brennstoff befüllen könne:

    TAZ

    Neues vom Energiestandort Brunsbüttel: Die geplante LNG-Pipeline in Brunsbüttel soll bis Ende des Jahres fertig sein. Der Hafen Brunsbüttel (Kreis Dithmarschen) soll ebenfalls bis Ende 2022 eine Anbindung an das deutsche Gasnetz erhalten. Das gaben SH Netz und das niederländische Energieunternehmen Gasunie laut NDR bekannt. Damit soll die Einspeisung von importiertem Flüssigerdgas (LNG) in das Gasleitungsnetz schnell möglich werden. Bis zu vier Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr könnten so in das Erdgasnetz übernommen werden:

    NDR