Europas größte Fischtreppe bei Geesthacht

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Seit Inbetriebnahme im Jahr 2010 hat die Fischaufstiegsanlage bei Geesthacht bereits mehr als 1,7 Millionen Fischen den Aufstieg ermöglicht. Etwa 50 Arten konnten bislang nachgewiesen werden – eine Erfolgsgeschichte für den Artenschutz im Flussgebiet der Elbe.

So funktioniert die Fischtreppe

Das Projekt ist in Technik und Ausmaß einzigartig. Die Anlage mit einer Gesamtlänge von 550 Metern besteht aus 49 einzelnen Becken, die jeweils links und rechts für die Fische durch zwei senkrechte Schlitze passierbar sind. Die Schlitze sind jeweils 1,20 Meter breit.

Jedes der 49 Becken ist 16 Meter breit, 9 Meter lang und rund 1,75 Meter tief. Diese Dimensionen reichen aus, damit auch größere Fische, wie zum Beispiel ausgewachsene Störe mit bis zu 3 Metern Länge, die Staustufe Geesthacht problemlos passieren können.

Form und Länge der Fischtreppe sind den Uferbedingungen der Elbe angepasst. Der Doppelschlitzpass in Geesthacht ist zwar weltweit erfolgreich im Einsatz, Sonderformen wie der verschlungene Verlauf waren jedoch bislang unbekannt.

 

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1: Einstieg

Der Einstieg wurde unmittelbar am Wehrfuß platziert. So finden Fische, die entlang des Wanderhindernisses nach einer Aufstiegsmöglichkeit suchen, problemlos den Weg in den Fischpass.

2: Leitströmung

Fünf sogenannte Zuwässerungsmulden in der Wehrschwelle leiten die Fische vom Wehr direkt in den Einstieg der Fischaufstiegsanlage. Durch diesen Abfluss wird eine auffindbare Leitströmung erzeugt, durch die sich die Fische orientieren können.

3: Aalleitern

Vier Aalleitern unterstützen die Aufwanderung kleiner Glas- und Steigaale. Sie bestehen jeweils aus einer 40 Zentimeter breiten Rinne mit einer bewässerten Bürstenstraße.

4: Monitoringstation für Jungaale

Die Aalwanderung kann mit einer speziellen Monitoringstation überwacht werden. Die Aale steigen in dem strömungsreduzierten Seitenarm auf.

5: Zusatzdotationen

Zusatzdotationen im Gerinne unterstützen die Ausbildung gut wahrnehmbarer Wanderkorridore. Indem zusätzlich Wasser in die Anlage geleitet wird, behält die Leitströmung unabhängig vom Unterwasserstand immer ihre geringe Fließgeschwindigkeit bei. So können sowohl die leistungsstarken Arten wie Lachs und Meerforelle als auch leistungsschwache Fische wie Stinte sich stets in der Anlage orientieren.

6: Doppelschlitzpass und Becken

Die Anlage ist 550 Meter lang und besteht aus 49 einzelnen Becken, die jeweils links und rechts durch zwei senkrechte Schlitze passierbar sind. Der Höhenunterschied zwischen den Becken beträgt jeweils 9 Zentimeter. Jedes Becken ist 9 Meter lang und 16 Meter breit. Durch ihre Größe ist die Anlage auch für den Stör passierbar, der letzte war im August 2016 ein sibirischer Stör mit 1,15 Metern Länge.

7: Strömungsregelung

Innerhalb des Gerinnes wird der Wasserstand an sechs Stellen zeitweise erhöht, um einen durchgehenden Strömungspfad mit ausreichender Fließgeschwindigkeit sicherzustellen. Aufgrund geringer Turbulenzen und ausreichender Ruhezonen können auch schwimmschwache Fische die Passage schaffen.

8: Half-Duplex-Antennen

Mit 18 Antennen an der Aufstiegsrinne kann das Verhalten ausgewählter mit Transpondern markierter Fische im Fischpass überwacht werden. Ein Transponder ist ein Mikrochip, der einen unverwechselbaren Nummerncode trägt. Diese Mikrochips werden bereits seit etwa 20 Jahren für die Kennzeichnung von Haus- und Zootieren benutzt. Auch die an der Fischaufstiegsanlage tätigen Fischbiologen markieren ausgewählte Fische am oberen Becken der Fischaufstiegsanlagen mit solchen Transpondern.

9: Umlenkbecken

Die doppelt gewendete Form der Fischaufstiegsanlage ist erforderlich, um die Länge des bebauten Areals zu reduzieren und empfindliche und kostbare Uferbiotope zu schonen. Durch die besondere Anordnung der Schlitze und die Teilung der Becken wird ein durchgehender Wanderkorridor mit gleichmäßiger Strömung erreicht.

10: Sohle aus Natursubstrat

Die Sohle des Fischpasses ist mit Flusskieseln bedeckt, damit auch Klein- und Jungfische sowie wirbellose Organismen passieren können.

11: Fanganlage

Sogenannte Leitrechen führen alle Fische in eine zentrale Fangkammer. Der Fangkorb hat eine Größe von 3 mal 4 Metern und eine Höhe von 1,25 Meter.

12: Monitoringstation Fische

Hier werden die Fische nach Arten bestimmt, schonend vermessen und gewogen. Anschließend werden sie in eine bewässerte Rohrleitung gesetzt und gelangen direkt zurück in die Elbe. Jetzt können sie ihre Wanderung fortsetzen.

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Artenvielfalt

Nachweislich sind hier etwa 50 Arten unterwegs. Mit dabei sind Lachs und Wels sowie die Meerforelle. Aber auch Exoten wie der Streifenbarsch, Sternhausen und der Sibirische Stör haben inzwischen die Anlage passiert. Der schwerste und längste Fisch war ein 28 Kilo schwerer Wels mit einer Länge von 1,61 Meter. Das Wander- und Aufstiegsverhalten der Fische wurde mit der Half Duplex Transponder-Technologie ermittelt. Jährlich können damit rund 10.000 Fische erfasst werden.

 

Schutz für Elbe und Fische

Im Fluss orientieren sich Fische an der Hauptströmung, gegen die sie stetig anschwimmen. Dank der neuen Fischaufstiegsanlage am Nordufer der Elbe können Wanderfische elbaufwärts zu ihren Laichgebieten ziehen, und das völlig barrierefrei. Darüber hinaus verbessert die Anlage die gewässerökologische Anbindung der oberen und mittleren Elbe an Tideelbe und Nordsee.

 

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